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Erläuterungen zu den Improvisationslektionen

erstellt von hcn zuletzt verändert: 06.02.2010 18:55

Erläuterungen zu den Improvisationslektionen

 

Es gibt verschiedene Ansätze zur Improvisation über eine Akkordfolge:

 

1. Ausspielen eines jeden Akkordes der Folge mit Arpeggien (Akkordzerlegungen, d.h.Die Töne des Akkordes hintereinander gespielt) und Akkordskalen. Vorteil: Die Akkordfolge wird bei der Improvisation hörbar und die Wahl von Spannungs- und Auflösungstönen erfolgt sehr bewusst. Nachteil: Extrem schwierig in hohem Tempo und bei schnell wechselnden Akkorden. Kann hektisch wirken.

 

2. Orientierung an größeren Zusammenhängen. Hierbei werden Durchgangsakkorde, welche nur für kurze Zeit vorkommen (z.B. halbtaktig), ignoriert und nur über die Hauptakkorde improvisiert. Diese Hauptakkorde sind meistens Tonika, Subdominante und Dominante (z.B. C, Dm oder F und G7 in C-Dur) Vorteil: Man denkt in größeren Zusammenhängen und muss sich nicht um jeden vorkommenden

Akkord kümmern und orientiert sich dennoch am harmonischen Verlauf des Stückes. Einfacher bei schellen Stücken. Nachteil: Es können vor allem bei langsamen Tempi unerwünschte Spannungen entstehen, die nicht bewusst gewollt sind. Funktioniert nicht bei jeder Art von Akkordfolge. (z.B. Dominant-Ketten wie: B7-E7-A7-D7-G7-C6.)

 

3. Orientierung an tonalen Zentren. Hierbei fasst der Spieler alle Akkorde im Verlauf eines Stückes, die zu einer Tonart gehören, zusammen und spielt die zugrunde liegende Dur- oder Moll-Tonleiter. Vorteil: Einfach, besonders bei schnellen Tempi. Man kann sich auf die melodische Linie konzentrieren und muss nicht den Akkordwechseln „hinterher hecheln“. Nachteil: Wie bei 2. unerwünschte, nicht bewusst gewollte Spannungen. Die Ideen werden nicht von der Akkordfolge beeinflusst und unterstreichen deshalb nicht immer die Besonderheiten eines Stückes. Der Einsatz von chromatischen Verzierungen (besonders charakteristisch im Gypsy-Jazz) ist schwierig, da diese sich meist zu Akkordtönen auflösen, was voraussetzt, dass man diese kennt.

 

4. Das Spielen von Licks. Viele Improvisationen bestehen aus einer

Aneinanderreihung von auswendig gelernten Phrasen, entweder selbst erfunden oder von anderen kopiert. Vorteil: Man kann sich darauf verlassen, dass die Licks gut klingen, das Risiko einer misslungenen Improvisation ist gering. Stilistisch sind sie wichtig, da sie garantieren, dass die Musik authentisch klingt. Licks spielen eine wichtige Rolle im Gypsy-Jazz. Es gibt kaum einen Spieler, der nicht etliche Phrasen

von Django , Bireli oder Stochelo „drauf“ hat. Nachteil: das überwiegende Spielen von Licks ist keine echte Improvisation. Man könnte sagen: „No risk, no fun!“ Zwar ist die Fehlerquote gering, ebenso gering ist aber auch die Chance, etwas wirklich Eigenes zu schaffen.

Die erwähnten Ansätze der Improvisation schließen sich nicht gegenseitig aus, es ist vielmehr sinnvoll, diese zu mischen, je nach Situation und Anforderung. Bei den folgendenLektionen werden zwar Arpeggien und Skalen für jeden einzelnen Akkord angegeben, es wird jedoch, besonders bei schnellen Wechseln, auf Möglichkeiten der Vereinfachung hingewiesen.

 

Besonderheiten der Improvisation auf der Gitarre.

Das Griffbrett der Gitarre stellt für Anfänger (und zuweilen auch für Fortgeschrittene) eine echte Herausforderung dar. Anders als bei Blas- und Tasteninstrumenten kommt jeder Tonmehrmals vor, auf verschiedenen Saiten und in unterschiedlichen Lagen. Außerdem ist die Stimmung der Gitarre, verglichen mit Geige, Cello, Bass oder Mandoline, alle andere als logisch, bedingt durch abweichende Stimmung der 2. Saite im Vergleich zu den übrigen Saiten.

Der häufigste Ansatz zur Griffbrettbeherrschung ist das sogenannte Lagenspiel. In der Regel werden Arpeggien und Tonleitern in jeweils fünf Lagen mit fünf unterschiedlichen Fingersätzen gespielt. Manche Spieler verwenden auch mehr Fingersätze, im Extremfall sind es zwölf. Wer wahnsinnig werden möchte, dem sei dies empfohlen. Bei der Verwendung von fünf Lagen-Fingersätzen hat man einen vollständigen Überblick über das gesamte Griffbrett. Aber auch diese fünf Lagen zu lernen ist sehr aufwendig.Berücksichtigt man nur die gebräuchlichsten Arpeggien und Tonleitern kommt mandennoch auf eine stattliche Zahl von Fingersätzen und Lagen.Mindestens sechzehn Tonleitern und ungefähr zwanzig Arpeggien multipliziert mit fünf Fingersätzen ergibt einhundertachtzig, und diese dann jeweils in zwölf Tonarten. Das reicht, um lange beschäftigt zu sein. Ein anderer Ansatz ist es, die Tonleiter- und Akkordtöne auf den einzelnen Saiten zu lernen. Das ist aber am ehesten für fortgeschrittene Spieler geeignet, um durch eine andere Sichtweise des Griffbrettes auf neue Ideen zu kommen. Ein wichtige Rolle spielt im Gypsy-Jazz das Diagonalspiel, eine Kombination aus Lagenspiel und Saiten-orientiertem Spiel. Besonders Arpeggien werden auf die Art ausgeführt, dass pro Saite zwei Töne gespielt werden. Dies ist sehr beliebt bei verminderten Arpeggien. Der Vorteil der Technik besteht einerseits darin, dass man

automatisch jede neue Saite mit einem Abschlag beginnt und trotzdem einen durchgehenden Wechselschlag machen kann, andererseits kommt man damit fließend über das ganze Griffbrett. Es ist frustrierend, monatelang Arpeggien und Tonleitern lernen zu müssen, bevor man die ersten Soli improvisieren kann.

Deshalb wird bei den folgenden Lektionen eine Methode angewandt, die schneller zum Ziel führt und dennoch wenige Einschränkungen mit sich bringt. Statt jeden Akkord in fünf Lagen zu lernen, wird für jeden Akkord in der Reihenfolge des Stückes jeweils ein Fingersatz angegeben. Man beginnt z.B. in der zweiten Lage, der folgende Akkord wird dann in einer anderen Lage gespielt usw., so dass nach und nach das ganze Griffbrett erschlossen wird. Für einige Akkordtypen kommen dann unter Umständen mehrere Fingersätze in einem Stück vor. Auch diagonale Arpeggien werden bei passender Gelegenheit angegeben.Nach einiger Zeit und einigen gelernten Stücken beherrscht man die meisten der fünf Fingersätze und kann sie auch frei anwenden. Dies ist so ähnlich wie das Lernen von Begleitakkorden. Dabei beschränkt man sich zu Beginn meist auch auf einen Grifftyp für die jeweiligen Akkorde und lernt mit der Zeit neue dazu. Die Lektionen bestehen aus zwei Seiten (bei längeren Stücken auch mehrere). Auf der ersten Seite sind die Begleitakkorde in einfachen Grifftypen (voicings) angegeben. Sie stehen als Diagramme über den Notenzeilen. Nicht gegriffene Saiten werden grundsätzlich mit Fingern der linken Hand gedämpft, so dass keine Leersaiten klingen.

Der jeweilige Grundton des Akkordes ist als Raute eingezeichnet, die anderen Töne als Punkt.

Auf der zweiten Seite sind die Arpeggien und Skalen angegeben.

Sie stehen ebenfalls als Diagramme über den Notenzeilen. Die Akkordtöne (Arpeggien) sind schwarz, wobei der Akkordgrundton wieder eine Raute ist. Die zusätzlichen verwendbaren Töne, die in der Tonleiter vorkommen (Zwischentöne) sind weiß eingezeichnet.

Am besten lernt man zunächst die Arpeggien (schwarze Punkte und Raute), spielt ein Solo ausschließlich mit diesen und fügt dann nach und nach die Skalentöne hinzu (weiße Punkte). Zum Schluss noch ein wichtiger Punkt: Die Arpeggien und Skalen sollten nicht nur auf der Gitarre gelernt werden, sondern auch gesungen, damit sie sich im Gehör einprägen und man im Idealfall immer vorher innerlich hört, was man spielen will. Wer noch keinerlei Erfahrung damit hat, wie man Arpeggien und Skalen zur Improvisation einsetzt, dem sei mein Buch: Gypsy Jazz Workshop (Verlag Doblinger Wien, Autor Manfred Fuchs, CD eingespielt von Andreas Öberg) empfohlen. Erhältlich bei hotclubnews.de.

Die erste Lektion behandelt das Stück „Hungaria“ von Django Reinhardt. Die Melodie dazu findet man z.B.in Robin Nolans Gig Book.

 

Viel Spaß beim Spielen!

Manfred

 

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